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Beitragsentwicklungen durch Unisex in der PKV (Private Krankenversicherung)

Die meisten der PKV´s am Markt haben inzwischen ihre Unisex-Tarife veröffentlicht, wenn auch noch nicht in sämtlichen Tarifen. Dies ermöglicht zumindest eine Tendenz, was sich dadurch insbesondere in den Beiträgen ändert.

Im Vorfeld war in den Medien von Anstiegen von mehr als 40 % spekuliert wurden. Dies besonders aus Sicht der Männer, die ja bisher deutlich günstiger waren als Frauen. Oder anders herum gesehen, die Frauen waren deutlich teurer, als die Männer.

Die Unisex-Tarife müssen ja seit 21.12.12 verwendet werden. Krankenversicherungen, die keine am Markt haben, können auch nichts verkaufen. Bestimmte Tarife, wie die für Beihilfeberechtigte, und Zusatzversicherungen, kommen schrittweise nach. Im Moment geht es hauptsächlich um die normalen Vollversicherungen.

Die höheren Beiträge aus Sicht der Männer für das Neugeschäft sind relativ uneinheitlich. Für den Bestand hat Unisex ja keine Bedeutung; Unisex-Tarife sind also kein Grund für die normale Beitragsanpassung, die zum 1.1.13 wirksam geworden sind. Zurück zu den uneinheitlichen Entwicklungen der Unisex-Tarife im Vergleich zu den alten Bisex-Tarifen: Diese sind nicht nur unter den Versicherern unterschiedlich, sondern auch in den einzelnen Tarifen.  Auch spielt das Eintrittsalter eine nicht unerhebliche Rolle für die Unterschiede. Versucht man, den Gesamteindruck zusammenzufassen, so bewegt es sich bei ca. 20 bis 30 % mehr Beitrag. Im unteren Bereich (und für bestimmte Tarife) gibt es für das Eintrittsalter 35 bisher 7 Versicherer, wo es für bestimmte Tarife lediglich um 5 bis 15 % mehr Beitrag geht. Jedoch gibt es auch 4 Versicherer, die bei bestimmten Tarifen im Bereich 34 bis 46 % liegen, und sogar einen Versicherer, wo ein bestimmter Tarif um 74 % höher liegt. Von einer wirklich einheitlichen Tendenz kann daher keine Rede sein.

Es gibt auch zusätzliche Faktoren, die bei dem Vergleich der Beiträge Unisex gegenüber Bisex berücksichtigt werden sollten. Es beginnt schon damit, dass die private Krankenversicherungen nicht alle Tarife in die Unisex-Welt mitnehmen, und mitunter sogar völlig neu ansetzen, also ganz und gar neu gestaltete Tarife geschaffen haben. Das ist bei 2 Versicherungsgesellschaften der Fall; viele weitere Versicherer haben eine Reihe von bisherigen Tarifen nicht in der Unisex-Welt fortgeführt. Das erlaubt teilweise keine Beitragsvergleiche mehr. Der nächste Faktor sind die Leistungsverbesserungen, die bei den Unisex-Tarifen eingeführt wurden. Dabei folgte man weitgehend den Empfehlungen des ÜKV-Verbands. Hierdurch gilt in den allermeisten Fällen der offene Hilfsmittelkatalog (d.h., Hilfsmittel werden nicht erschöpfend aufgezählt, sondern es wird allgemein definiert, was Hilfsmittel sind; diese sind dann automatisch erstattungsfähig; ambulante Psychotherapie ist eine Standardleistung, mit einer Erstattung bis mindestens 50 Sitzungen pro Jahr; und 3 ambulante Maßnahmen zur Suchtbehandlung im Laufe der Versicherungszeit sind mitversichert (Ausnahme Nikotinsucht). Besonders sparsam gestaltete Tarife, die hierzu keine oder sehr geringe Leistungen hatten, werden dadurch natürlich zusätzlich teurer.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist der Im Beitrag einkalkulierte Rechnungszins. Das bedeutet, mit welchem Zins gerechnet wird, der für Rückstellungen, Überschüsse, Einnahmen, die noch nicht  gleich wieder als Leistungen ausgezahlt werden etc.  gilt. Je höher der Rechnungszins ist, umso geringer können die Beiträge gerechnet werden. In den alten Tarifen sind bisher stets 3,5 Prozent Rechnungszins eingerechnet. Die Deutsche Aktuarvereinigung e.V. (DAV) hatte empfohlen, dass er auf 2,75 % gesenkt werden soll. Die Bundesregierung hielt das auch für angemessen. Die Versicherer können hinsichtlich des Rechnungszinses jedoch verfahren, wie sie das wollen, bzw. wie sie es für sinnvoll halten. Nach dem aktuellen, bekannten Stand der Dinge haben 18 Versicherer den Rechnungszins auf 2,75 % gesenkt,  1 Unternehmen sogar auf 2,5 %, und ein Unternehmen schwankt noch, ob es 2,9 oder 2,75 % werden sollen. Das wird sich wohl bei den noch nicht herausgekommenen Tarifen fortsetzen. Die Tarife mit niedrigerem Rechnungszins haben damit im direkten Vergleich mit den Mitbewerbern den Nachteil eines etwas höheren Beitrags. Die Senkung auf 2,75 % bedeutet in etwa, dass der Beitrag um ca. 6 bis 8 % höher kalkuliert werden muss. Einige Versicherer haben sich dazu noch nicht in die Karten schauen lassen, welchen Rechnungszins sie verwenden.

Der verwendete Rechnungszins ist nun ein weiteres Kriterium geworden, was bei Vergleichen und Beratungen zur privaten Krankenversicherung berücksichtigt werden sollte.       

Noch ein weiterer Faktor ist, wie hoch die im Beitrag einkalkulierten Sicherheitszuschläge sind, ob den Effekt aufzufangen, dass besonders Frauen im Bestand des Versicherers in die u.U. günstigeren (und besseren) Unisex-Tarife umsteigen. Dadurch können ja Minderbeiträge entstehen, die aufgefangen werden müssen. Frauen im Bestand der Vollversicherung der PKV machen ungefähr 30 % aus. Hinsichtlich dessen müssen die Versicherer also vorsichtig sein. Die Sicherheitszuschläge werden nicht näher erkennbar sein.

Ein Hinweis zu den höheren Eintrittsaltern: Die Verteuerung durch die verschiedenen Faktoren der Unisex-Tarife wirkt sich bei höheren Eintrittsaltern anders aus. Je nach Versicherer bzw. Tarif kann das mehr oder weniger ausmachen, als in den jüngeren Jahren. Der Prozentsatz ist bei den auswertbaren Versicherern für Ältere aber überwiegend niedriger.

Bei 20 Versicherungsgesellschaften ist offensichtlich geworden, dass sie zumindest etliche ihrer bisherigen Tarife im Rahmen von Unisex weiterführen, ggf. modifiziert um die verbesserten Leistungen durch die Empfehlung des PKV-Verbands.  Das gilt somit aber nicht für alle bisherigen Tarife, wenn der Versicherer sie nicht mehr alle anbieten möchte, aus welchen Motiven auch immer. Das können ja auch speziell leistungsschwache Tarife sein, oder welche, die nicht mehr viele Kunden angezogen haben.

Durch die Verbesserungen in den Unisex-Tarifen und den Verzicht auf besonders leistungsschwache Tarife hat sich die Qualität der Tarife am Markt deutlich verbessert. 

Die Vergleichs- und Beratungsarbeit bezüglich der PKV ist vielfältiger und spannender geworden. Verbraucher sollten sich deshalb nicht mit einer zu oberflächlichen Beratung zufrieden geben.